Letzte Woche montags ging es mit dem Seat Leon Cupra R auf den Long-Run-Turn nach Donauwörth und am Mittwoch sollte der Sportler auf dem Gelände des ADAC Fahrsicherheitszentrum beweisen, das er nicht nur schnell sondern auch wendig ist.
Gut gebrüllt Leon
Der Seat Leon Cupra R ist ein typisches Understatement Fahrzeug. Erst auf dem zweiten Blick erkennt man, dass der Cupra R keinen GTI oder GSI fürchten muss. Bei Audi muss schon der Audi TTS ran, um den Cupra (0-100 km/h in ca. 6 Sekunden) halten zu können.
Seat Leon Cupra R macht mit seinen 19-Zöllern eine gute Figur
Daher ist es für einen BMW 1er-Fahrer (vermutlich ein 120i) auch ein schmerzliches Erlebnis, wenn er von hinten erst drängelt und dann, wenn endlich die Autobahn frei ist, ganz einfach von diesem Nobody „abgelascht“ wird. Ein Erlebnis, was er vermutlich beim nächsten Stammtisch verschweigen wird, so nach dem Motto: „Da wollte ich mal eben einen Seat überholen – und nach wenigen Sekunden war dieser am Horizont verschwunden.“
ADAC Fahrsicherheitszentrum (FSZ) in Augsburg
Auf dem Weg nach Augsburg macht sich der Sportler schon mal warm. Denn ohne geschmeidige Muskeln, sollte kein Hochleistungssportler sein Potential abrufen. Der Leon brabbelt im Standgas, will endlich los. Aber die Fotografen wollen erst noch einige Fotos vom Saubermann haben, das Licht ist gerade so gut.
Nach ein paar vorsichtigen Runden sind die Pneus auf Betriebstemperatur. Jetzt legt der Cupra R los. Er hat den Trainingsanzug ausgezogen, zieht gierig in jede Kurve, der Motor schreit nach Drehzahl. Der Cupra R klebt auf der Straße. In meiner Lieblingskurve, einer langgezogenen Linkskurve, merkt man, dass das Heck ganz dezent driftet. Geht da noch mehr? In der nächsten Runde kommt das Heck noch ein wenig mehr – aber der Cupra ist weiterhin einfach zu händeln. Der Grenzbereich ist ganz einfach auszuloten, kein hektisches Eingreifen des ESP – einfach nur Klasse. Gänsehaut, Grinsen im Gesicht – was für ein herrliches Spielzeug.
Holger Mertens, Redakteur von Auto Online Magazin ist ebenfalls vom Seat Cupra R überzeugt.
Was hat Dir am Cupra R besonders gefallen?
Holger Mertens: Der Seat ist spartanisch aber trotzdem mit allem ausgestattet was man zum zügigen Vorankommen braucht. Nimmt man in den wunderschönen mit einem Karomuster gesteppten Sportsitzen platz, hat man das Gefühl, in einer zweiten Haut zu stecken. Mit seiner guten Gasannahme und seinem gut abgestimmten Fahrwerk, kann man ihn sehr schön in den Grenzbereich bringen. Die Lenkung gibt eine schöne Rückmeldung, so dass es dabei keine Überraschungen gibt.
Du hast ja leider den Volkswagen Scirocco R nicht in Augsburg erfahren können. Kann man einen Vergleich zum Ford Focus II RS ziehen?
Holger Mertens: Den kann man sehr wohl ziehen. Ford wie auch Seat, haben ihre unteren Mitteklasseautos in ein gut organisiertes Trainingscamp gegeben. Das Ergebnis dieser Bemühungen kann sich in beiden Fällen sehen lassen. Der Ford ist jedoch noch kompromissloser abgestimmt. Bei ihm merkt man seine Renngene noch deutlicher als beim Cupra R. Die Vorderachse kommt dem erstarkten Motor des Fokus klar besser. Der Cupra tänzelt auf der Vorderachse bei vollem Einsatz des Turbos etwas. Im Slalomparcours hatte ich den Eindruck, dass die Lenkung des Fords beim schnellen Einlenken etwas härter wird, da ist der Seat wiederum im Vorteil. Seine Lenkung war immer mit gleichem Kraftaufwand zu handhaben. Somit für mich ein Unentschieden.
Felix Sutschek, Redakteur von Auto Online Magazin, hat den Seat Leon Cupra R nicht in Augsburg fahren können sondern war mit ihm auf seiner Motorradlieblingsstrecke.
Felix, wie macht sich der Seat Cupra R auf deinem „Motorradterrain“?
Felix Sutschek: Für ein Auto ganz gut. Liegt herrlich auf der Straße und hat Leistung ohne Ende. Einzig die Reifen haben mich nicht überzeugt, aber für Winterreifen war’s schon sehr gut. Spielen auf hohem Niveau. Wenn man bedenkt, dass man hier in einem „ganz normalen“ Familienauto sitzt, 5-Türer mit Kofferraum und allem was dazu gehört, ein tolles Paket!
Wie hat Dir der Sound gefallen?
Felix Sutschek: Sound ist immer so ein Thema, da stecken die Hersteller mittlerweile richtig viel Knowhow rein, damit das Fahrzeug gut klingt aber im Innenraum nicht nervt. Der Sound vom Cupra R hat mir sehr gut gefallen, er ist sehr zurückhaltend im unteren Drehzahlbereich, wird aber zunehmend munterer. Und er erinnert mich sehr an die Rennmotoren, fast ein bisschen wie eine Rennmaschine. Vom Turbo merkt man nicht viel, auch weil er kein so ausgeprägtes Wastegate hat wie der Focus RS. Summa Summarum hat mir der Sound besser gefallen als im Scirocco, auch weil er vom Design her harmonischer zum Gesamtkonzept des Fahrzeugs passt.
Vielen Dank an das ADAC Fahrsicherheitszentrum in Augsburg, die es uns ermöglicht haben, den Seat Cupra R dort zu fahren und zu fotografieren.
Fazit
Der Seat Leon Cupra R ist ein eher unauffälliger Sportwagen, was durchaus seinen Reiz hat. Man kann mit ihm so herrlich auf der rechten Spur mit 120 km/h trödeln, um sich dann blitzschnell auf der linken Spur in den fließenden Verkehr einzufädeln.
Einmal das Gaspedal leicht antippen und man wird die bequemen Sportsitze gepresst und auf dem Tacho stehen 180 km/h. Gibt es ein Konkurrenzfahrzeug bei dem man auch für knapp über 30.000 Euro 265 PS bekommt? Wir werden danach suchen. Im nächsten und letzten Teil gibt es, wie immer, eine Zusammenfassung und eine „Kraftstoffabrechnung“.
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Fotos © Redaktionsbüro Kebschull | Thomas Wellinger




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