(1) Ferrari 512 TR – Fahrbericht

von Gerd Kebschull am 13. Mai 2012

Vergessen Sie alles, was wir bislang zum Thema Sportwagen geschrieben haben. Ein Porsche 997 GTS super, ein Audi R8 genial mit 8-Zylinder, Porsche Cayman R der wendige Sportler. Aber der Ferrari 512 TR ist anderes. Er ist ein 12-Zylinder und ein echter Italiener.

Italienisch, gelb, stark – Sportwagen pur

Die Vorbereitung auf den zweiten Ferrari war schwierig. Pressemitteilung, Fahrberichte eher gähnende Leere. Nur bei Wikipedia wird man fündig: 12-Zylinder, 428 PS, modifizierter und erstarkter Nachfolger des legendären Ferrari Tessarossa. Da ist die Vorfreude groß. Der Ferrari 512 TR ist nach dem Ferrari 355 GTS unser zweiter Ferrari und unser erster 12-Zylinder.

Ferrari 512 TR

Ferrari 512 TR - ein 12-Zylinder mit 428 PS, Spitzengeschwindigkeit jenseits 300 km/h

Der Ferrari 512 TR nimmt einen sofort in Besitz, lässt einen nicht mehr los. Gelb, flach wie eine Flunder und stark. Daran lassen schon die Formen keinen Zweifel. Die Motorhaube fällt fast ab bis auf die Straße, von hinten fett und breit steht er auf 18-Zöllern. Wie alt ist der Ferrari? Für zehn Jahre sieht er noch gut aus. Nein, der Ferrari muss älter sein. Schnell auf der AIL-App nachgeschaut und Erstaunen: Der Ferrari ist schon knapp über 20 Jahre alt – unglaublich!

Einsteigen und genießen?

Ferrari 512 TR

Ferrari 512 TR, der Nachfolger des legendären Tessarossa auf dem Übungsgelände ADAC FSZ in Augsburg

Ich bin vier Jahre Porsche 944 und sieben Jahre Audi TT mit Recaro Sportsitzen gefahren. Ich weiß also, vor dem Genuss kommt erst einmal eine Kletterpartie. Der Ferrari 512 TR ist ja für einen 188 Zentimeter großen Menschen mal gerade hüfthoch. Genau sind es 1.130 bis 1.135 Millimeter. Also einfädeln und sich auf Straßenniveau in Sitzposition begeben. Kopffreiheit gegen Null.

Da hockt man also in einem Traumauto und fühlt sich erst einmal nicht wohl. Sicht nach vorn gegen Null. Nach hinten, sieht man den Motor und irgendwo – in der “Unendlichkeit” – hört der Wagen dann auf. Wenden, rangieren sehr vorsichtig. Auch wenn Beobachter den Eindruck haben, der kann ja mit dem Sportwagen gar nicht umgehen. Lieber noch einmal vor- und zurücksetzten, als einen Parkrempler zu riskieren.

12-Herzen schlagen in meiner Brust

Ferrari 512 TR

Der Ferrari 512 TR liegt satt auf der Straße. Der 12-Zylinder-Sound ist einfach genial

Den mickrigen Zündschlüssel ins Zündschloss und dann, alles vergessen, was wir zum Thema Sound bisher geschrieben haben. Der Ferrari faucht auf – auch ohne Gasgeben beim Startvorgang, grummelt, brabbelt mit sonorer Stimme und flüstert: “Endlich darf ich wieder los. Ein Prinz hat mich wachgeküsst.”

Der erste Gang wird mit einem Klick eingelegt. Geräusche, die ein Ferrarifahrerherz höher schlagen lassen. Das erste Wendemanöver ist anstrengend. Servolenkung? Negativ! ESP, ABS? Negativ! Die italienischen Ingenieure haben einfach um ein superschönes Triebwerk eine tolle Karosse designed. Das war’s.

Vorsichtig losfahren. Nur nicht zu viel Gas geben, das machen Angeber, “Nichtkönner“. Nur nicht zu wenig Gas geben. Das Abwürgen eines Ferraris ist die Höchststrafe.

Nach nur wenigen Metern. Die beengte Sitzposition – vergessen. Die fehlende Servolenkung – vergessen. Was zählt sind: Mensch und Maschine verwachsen. Radio/Cassette bleibt für immer aus. Der Sound lässt das Testerherz schneller schlagen. 12-Zylinder, zaubern aus 4,9 Liter Hubraum 428 PS, stemmen 490 Newtonmeter Drehmoment bei 5.000 1/min auf die Kurbelwelle. Den Sprint von 0 auf 100 km/h soll der TR in nur 4,8 Sekunden schaffen. Endgeschwindigkeit (vermutlich Werksangabe, Quelle Wikipedia) 314 km/h.

Allein die Gedanken an diesen wunderbaren Sound, stellen die Armhärchen schon wieder hoch, erzeugen einen wohligen Schauer, die von den Wangen, über den Kopf am Rücken herunter laufen bis in die Beine. Wer Benzin im Blut hat, wird uns verstehen. Wer nicht, erstaunt den Kopf schütteln.

Danke an AIL

AILVielen Dank an AIL Leasing AG, die es uns ermöglicht haben, diesen außergewöhnlichen Sportwagen drei Tage zu testen. Der Ferrari 512 TR macht hungrig auf mehr. Im Herbst hoffen wir, hier einen weiteren Supersportwagen vorstellen zu können. Einen Lamborghini? Einen weiteren Ferrari? Wir bleiben dran an diesem besonders emotionalen Thema.

Zwischenfazit

Ferrari 512 TR

Der Ferrari 512 TR vor dem Pavilon der AIL Leasing AG in München Grünwald

Der Ferrari 512 TR ist ein echter Supersportler. Wir müssen vergleichen: Ein Porsche 911 (Typ 993) hatte damals 275 PS. Der Porsche 993 Turbo war 408 PS unterwegs. Für einen 20 Jahre jungen Sportwagen ist der Ferrari 512 TR eine Highend-Maschine. Man sieht dem TR sein Alter nicht an, weder  vom Lack (Pflegezustand) noch merkt man es beim Fahren. Nach kurzer Zeit vermisst man auch die Servolenkung nicht mehr, weil der Ferrari ein wundevolles Feedback beim Lenken liefert.

Ein Ferrari fällt immer und überall auf. Sogar in München, sogar in München Grünwald, obwohl dort (gefühlt) mehr Porsche als Golf unterwegs sind.

Im nächsten Teil geht es auf die Trackstrecke vom ADAC FSZ in Augsburg. Dort muss der Ferrari beweisen, ob er nur ein Schönling ist oder auch seinen Nadelstreifanzug gegen ein Leichtathletik Trikot tauschen kann.

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Fotos © 2012 Redaktionsbüro Kebschull

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Peter Bamann 14. Mai 2012 um 10:44

ER ist ein Männertraum !!!!!
Ein “Neuer” ist mit Sicherheit schon Wahnsinn, aber hier ist es viel mehr. Eine Leidenschaft , einen 20 Jahre alten/jungen Traum zu hegen und zu pflegen, zu spüren und zu erleben!!!

Ich mochte es schon immer, ein Auto zu erfahren, seine Eigenarten zu erkennen, nicht nur Schlüssel drehen und der Rest passiert (fast) von alleine. Auto und Fahrer müssen sich “mögen”,
das ist Spaß pur.

Beim Lesen ist die Begeisterung (das Wort ist viel zu “schwach” ) des “Testers” , der dieses Gefühl intensiv erlebt hat, über gesprungen und der Gedanke kam:
Nur einmal…….. !!!
Beitrag auf aom hat den Wunsch noch größer werden lassen!
Das Allerschönste aber:
AIL kann diese Träume Wirklichkeit werden lassen !!!!!!!!

Aspri 16. Mai 2012 um 14:48

Na, das ist so, wie wenn Dich das Pferd tritt.
Das geht einfach ab. Die Begeisterung des Testers springt direkt aus dem Bildschirm.
Ich kenne das AFSZ und das ist für den 512er schon recht eng.
Aber muss wohl einen Riesen Schpass gemacht haben.

Neid, Neid, Neid

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