Wie jedes Auto, so muss auch der Porsche Boxster S auf den Long-Run-Turn und darf auch zum “Toben” auf die Track-Strecke des ADAC Fahrsicherheitszentrums (FSZ) nach Augsburg.
Lange Strecken – kein Problem
Der Porsche Boxster S macht auch auf langen Strecken viel Spaß. Tempomat bei 130 km/h und rollen lassen. Zwischensprints und bergab dann segeln lassen.
Porsche Boxster S – Spar(ß)mobil aus Zuffenhausen
Wie, segeln? Ganz einfach: Tempomat ausschalten und mit dem Paddel + hoch schalten. Spart das? Ich weiß es nicht, glaube ich aber eher nicht, da wir mit dem Porsche 911 S (Typ 991) die Autoplenum-Vergleichsrunde in beiden Modi gefahren sind. OK, im Emsland gibt es keine langen Strecken, die man bergab fahren kann.
Spar(ß)mobil aus Zuffenhausen
Aber die Sensation. Kann man eine Strecke von etwa 630 km mit einer Null-Stopp-Strategie zurücklegen? Mit einem Tankinhalt von nur 63 Litern? Ja, man kann, vorausgesetzt man lässt den Boxster auch mal zwischen 100 und 120 km/h rollen.
Denn oft macht es auf der A7 zwischen den Baustellen keinen Sinn, zwischen den einzelnen Baustellen auf 180 km/h zu beschleunigen. Kaum ist man auf 180 kommt schon das 100-Schild.
Man kann den Boxster S also locker zwischen 8 bis 9 l/100 km bewegen. Die Sensation war ein Streckenabschnitt, den wir stätig mit etwa 100 bis 110 km/h (offen) zurückgelegt haben und nach 120 km, mit einem Schnitt von 99 km/h, einen Verbrauch von 6,6 l/100 km realisiert hatten. Sportwagen als Schluckspechte? Da haben wir bei manchen Kleinwagen (bei höheren Geschwindigkeiten) mehr verbraucht.
ADAC FSZ
Der Testhöhepunkt war natürlich die Testrecke des ADAC´s in Augsburg. Etwa eineinhalb Stunden musste der Boxster S beweisen, dass er ein echter Sportwagen ist. Sein Konkurrent war kein geringerer als der Porsche 997 4GTS Cabrio. Nicht ganz fair, weil der GTS fast 100 PS mehr hat.
Felix Sutschek, Redakteur Auto-Online-Magazin.de ist den Porsche Boxster S auf der Trackstrecke ADAC FSZ gefahren.
Felix, Dein Grinsen war so breit, breiter geht es nicht. Wie macht sich der Boxster S
Felix Sutschek: Das Grinsen kommt nicht von ungefähr. Der Boxster S ist richtig gut. Er emanzipiert sich auch zusehends von dem Übervater 911. Schnell, wendig, richtig agil und auf maximalen Vortrieb getrimmt. Er erinnert irgendwie immer an ein gut motorisiertes Go-Kart. Spaß pur, vor allem in Verbindung mit dem PDK. Das einzige Haar in der Suppe ist der Preis. Wirklich günstig sind 92000€ nicht mehr.
Die Autos 997 4GTS und den Boxster S kann man schwer vergleichen. Immerhin liegen hier etwa 100 PS zwischen und 50.000 Euro. Dennoch die Frage: Wie ist der Unterschied?
Felix Sutschek: Der Unterschied ist gering. Die allermeisten derer, die sich derartige Autos leisten können, werden ihn auch kaum erfahren können. Der GTS bietet einfach deutlich mehr Show-Charakter. Er sieht mehr nach Noblesse und Geld aus. Er klingt auch besser. Aber den Alltag meistert er deshalb kaum besser. Da schenken sie sich nichts. Außer dass der 911 GTS vielleicht etwas komfortabler ist im Alltag.
Könntest Du dennoch einen Vergleich zwischen dem Porsche Cayman R, dem Boxster S, dem Porsche 991 S und dem 997 GTS ziehen?
Felix Sutschek: Das tolle ist, dass sie alle ihre Sache gut machen. Verdammt gut, mit Nuancen auf bestimmte Themengebiete. Der 997 GTS war und ist der Topsportler der 911er Reihe für die Leute, denen der GT3 zu “krawallig” ist und die keinen Turbo wollten. Im 991 S hat er einen würdigen Nachfolger gefunden, der eben dieses Feld wieder besetzt.
Ich bin mir fast sicher, dass es auch eine Neuauflage des GTS geben wird. Der Boxster bleibt das Einstiegsmodell, das ewig unterschätzte Sekretärinnen-Mobil. Er kann brutal viel und wird von den meisten unterschätzt. Vor allem der Boxster S hat es Faustdick hinter den Ohren! Ja, und der Cayman R ist der fahrdynamische Sieger. Sicher, in der Endgeschwindigkeit gewinnt er nicht. Aber alles was Kurven hat ist seins. Unglaublich wie scharf ein Fahrwerk sein kann. Dazu die perfekten Sportsitze und das PDK. Eine nahezu göttliche Komposition.
Fazit – Test auf der Trackstrecke
Mein persönliches Fazit zum Abschneiden des Porsche Boxster S: Porsche Cayman R und Boxster S liegen gleich auf. Der R kam noch ein bisschen sportlicher, straffer rüber. Das lag weniger an den 15 PS mehr – sondern vielleicht auch an den tollen Recaro-Sportsitzen mit dem besten Seitenhalt.
997 GTS und 991 S spielen eine Liga höher. Wobei mir der Porsche 991 S das meiste Vertrauen gegeben hat. Wir stoppen keine Zeiten, weil das zu unnötig Druck führt und das wollen wir nicht. Die Autos sollen keine Kaltverformung erleben. Der 991 S hat mir genau angezeigt, wann “Schluss mit Lustig” ist. Der Boxster ist unheimlich gutmütig – sehr, sehr lange stabil. Wenn man es dann aber übertreibt, wir er extrem giftig und keilt aus.
Mit dem Porsche 991 S hatte ich das Gefühlt, dass ich mit dem Sportwagen die besten Rundenzeiten erzielt hätte. Das wird dem Porsche 991 von den “echten” Fans zum Vorwurf gemacht. Mit dem kann ja jeder “Hans und Franz” schnell fahren. OK, kann man einem Sportwagen-Hersteller ein größeres Kompliment machen?
Danke
Vielen Dank an das ADAC Fahrsicherheitszentrum (FSZ) in Augsburg, das es uns ermöglicht hat, den Porsche Boxster S ausgiebig zu testen und zu fotografieren.
Zwischenfazit
Der Boxster S ist ein extrem gutes Auto, an dem es nichts zu bemängeln gibt. In 9 Sekunden ist er auf und genauso schnell wieder zu. Auf der Rückfahrt von Donauwörth bin ich meistens offen gefahren. Die kurzen Schauer wurden rasch überbrückt: Kurz ein Drive-Through auf dem nächsten Parkplatz gemacht, bei der Durchfahrt mit etwa 50 km/h geöffnet oder geschlossen und weiter ging es.
Im nächsten und letzten Teil geht es um die Alltagstauglichkeit und es wird der Kraftstoffverbrauch näher untersucht.
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Fotos © Redaktionsbüro Kebschull