Bevor wir mit einem “Jungen Wilden” oder einen Sportwagen zum ADAC FSZ fahren, sind wir meist 500 und mehr Kilometer mit dem Testwagen unterwegs. Diesmal waren es gerade mal 120 Kilometer. Kann der Ferrari 512 TR auf der ADAC-Trackstrecke überzeugen?
Ferrari – innen eher bieder
Innen wirkt der Ferrari eher bieder, nicht wie ein 300.000 DM Auto (Stand 1992). OK, der Ferrari ist 20 Jahre alt. Innen kann er sein Alter nicht leugnen. Das Radio / Cassetten-Gerät verschwindet hinter einer Klappe – und das ist gut so. Das Handschuhfach öffnet sich auf Knopfdruck und ermöglicht der Beifahrerin, die Lippen nachzuziehen. Das sollte sie aber nur machen, wenn der Ferrari steht, ansonsten kann das ins “Auge” gehen.
Ferrari 512 TR macht sich auf der Trackstrecke vom ADAC FSZ richtig breit
“Klick” beim Gangeinlegen
Ferrari 512 TR, hüsch, hüsch, der 12-Zylinder mit 428 PS
Der erste Gang liegt links hinten, weil links vorne der Rückwärtsgang positioniert wird. Zwei erfahrene Tester schauen sich ratlos an. Wie bekommen wir den Rückwärtsgang rein? An einer bestimmten Stelle beherzt drücken und dann nach vorne. Ganz einfach, wenn man es weiß.
Gang einlegen und genießen. Den zweiten legt man in den ersten Minuten gern per Sichtkontakt ein. Vorsicht ist richtig. Man will sich ja nicht blamieren.
Egal in welchem Gang man fährt. Der Ferrari macht auch untertourig Spaß. Bei höheren Drehzahlen trompetetet der Ferrari seine Ouvertüre in die Welt. 12-Zylinder sind beim Sound durch nichts zu ersetzen.
Kraftstoffverbrauch? Keine Ahnung. Wer will bei so einem Auto mit dem Rechenschieber wie ein kleinkarierter Beamter den Durchschnittsverbrauch ausrechnen?
Ferrari 512 TR, cooler Sportwagen, super Sound
Nach nur wenigen Kilometern hat das gelbe Biest mich überzeugt, begeistert, infiziert – und ich ihn “im Griff”. Die Gänge fliegen nur so durch die Kulisse, gern mit Zwischengas, nicht aus Angabe, sondern weil es sich definitiv besser schalten lässt.
Am ersten Abend musste es in Donauwörth die Reichsstraße sein, auf der abends die getunten Kleinwagen oder Sportwagen patrouillieren. Der BMW M5 und der SLK AMG sahen an diesem Abend blass aus, Sorry. Aber die Zuschauer hatten nur Augen für das “Gelbe Biest”.
ADAC FSZ
Der Ferrari 512 TR ist ein Monster und hat ein Leergewicht von 1.473 Kilogramm. Die Maße: 4.480 × 1.976 × 1.135 mm (Länge, Breite, Höhe) sind beeindruckend. Aber ohne ESP, ABS den Wagen im Grenzbereich bewegen? Die ersten Runden daher eher zaghaft. Wir haben AIL Leasing AG versprochen, den Wagen ohne den kleinsten Kratzer wieder zurück zu bringen. Versprochen ist versprochen!
Und in der Tat. Von Runde zu Runde vermittelt der Ferrari einem deutlich, was er macht. Der Porsche Panamera mit seinen zwei Tonnen „Lebendgewicht“ hätte bei den Kurvengeschwindigkeiten schon gequietscht, während der Ferrari TR ruhig seine Spur findet. Dennoch ist immer Vorsicht geboten. Denn ob man so ein Monster ohne ESP dann abfangen kann, ist die entscheidende Frage, die ich gar nicht beantworten will. Also Felix, jetzt du!
Felix Sutschek, Redakteur Auto-Online-Magazin.de ist den Ferrari auf der Trackstrecke ADAC FSZ gefahren.
Felix, dein erster 12-Zylinder, der erste Sportwagen mit mehr als 420 PS. Wie war es?
Felix Sutschek
Felix Sutschek: „Kurz gesagt: Schön. Das Interieur kann sein Alter kaum leugnen, aber der Motor hat in dem geringen Leergewicht keinen echten Gegner. Der Sound ist phänomenal und das Feeling irgendwie entrückt. Ich tu mich schwer, ihn einzusortieren: Klassiker oder ernstzunehmende Rakete. Irgendwie beides!“
ESP aus oder ein war diesmal nicht die Frage. Wie kündigt sich der Grenzbereich an?
Felix Sutschek: „Die fehlende Servo-Unterstützung zeigt sich hier besonders gravierend. Einerseits ist man immer extrem klar im Bilde, was die Lenkung gerade so beschäftigt, andererseits braucht es gehörig Kraft, um an dem Lenkrad zu drehen. Bei kalten Reifen ist er biestig auf der Hinterachse, aber kaum einer unserer Testwagen ließ sich so herrlich in den Powerslide überführen wie der hier.“
Dein persönliches Fazit?
Ferrari 512 TR - Dynamisch im Antritt, 428 PS sorgen für Vortrieb
Felix Sutschek: „Wer sich den Ferrari 512 Testarossa holt, bekommt einen Supersportler mit deutlich mehr Alltagstauglichkeit als erwartet. Aber leidensfähig sollte man schon sein. Die fetten Schlappen vorne ohne Servo zu bedienen ist nicht jedermanns Sache. Wer sich aber bewusst darauf einlässt, wird vielfach entlohnt. Und lange einsam bleibt man auch nicht, viele werden einen darauf ansprechen, was das doch für ein tolles Auto sei. Ein echter Klassiker eben, mit Eigenheiten die aber auch seinen Reiz ausmachen.“
Dein persönliches Wunschauto für den Herbst?
Felix Sutschek: „Schwer! Entweder wir gehen Richtung Klassiker oder Richtung Supersportler. Aber so direkt gefragt wäre ein aktueller Lamborghini oder Ferrari meine erste Wahl.“
Danke
Vielen Dank an das ADAC Fahrsicherheitszentrum (FSZ) in Augsburg, das uns die Chance gegeben hat, den Ferrari 512 TR ausgiebig zu testen und zu fotografieren.
Danke an AIL Leasing AG
Vielen Dank an AIL Leasing München AG, die es uns ermöglicht hat, diesen außergewöhnlichen Sportwagen drei Tage zu testen.
Fazit
Ferrari 512 TR im "Kreisvekehr" auf dem ADAC FSZ in Augsburg
Der Ferrari 512 TR ist ein faszinierender Sportwagen, der einen mit seinem 12-Zylinder-Sound nicht so leicht los lässt. Gerade hat AIL einen neuen Ferrari hereinbekommen. Einen 8-Zylinder, sieht aus wie neu, ist nur 10 Jahre alt…
Da ist es wieder das Kribbeln, die Gänsehaut. Im Herbst spätestens müssen wir den nächsten Super-Sportler vorstellen, den Aston Martin DB9? Den Jaguar XK8 Coupe 5,0L Portfolio? Den Alfa Romeo 8 C Competizione? Oder lieber den Lamborghini Gallardo LP 560-4? Es bleibt spannend hier im Blog auf autoplenum.de
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